Der Feder Pflug

Fühlt es sich nicht bedeutungsvoll an, wenn die Feder sich gänzlich unbedacht über das Papier auszuschwingen beginnt? Ihr zarter Halm, gewendet im Licht, verlangt in Schriftes Furche bald zu ruhen, in den Buchstaben zu wurzeln und in leuchtenden Augen blühend neue Saat zu pflanzen. Um der Augen Schimmer zu entfachen, fächert der Feder Kopf zunächst im Mondschein oder unter der Sonne Gunst. Dabei werfen nervöse Pranken das Federgesicht immer zu ins Licht, bis ein Lächeln oder ein Trauern eine Sichel in die Federfahne frisst. Nach ausgiebigem Tanz vergisst die Miene, welche Stimmung sie gleich hisste. Hinterließ sie ihren Abdruck, wie kein Federfuß ihn sonst vermisste.

Der Feder Pflug Riss
Der Feder Pflug Tintentränen

Feste Pranke klammert dem Fahnenschwert nach, mit dem sie sich reich an Gedankenschatz plünderte, weil sie den schmiedenden Schreiberkopf in aufgezwungenes Goldhandwerk verschüchterte. Frei und unberührt im Himmel über der Feder Pflug würde der Kopf sich lieber regnerisch erbieten. In güldenem Schein erwecke er dann den Horizont, um selbst als Wolke der Feder Saat ihre Blüte zu ergießen.

Unter Prankenfurcht aber vergisst sich der Wolkentraum und schweift seine Nebelschwitze an kaltglasigen Augen ab. Des Goldes Licht sickert in Federfurchen ab, um der Worte Tinte ihren Glanz zu verrühren. Doch rechnet es nicht mit Augenschauer, der feuchte Federfurchen in ein Flutennetz verschnürte. Der Worte Schmerz dann wohl in Tintentränen taucht, Augenmurmel wirbelt’s auf und versteht sich in fliegenden Tropfen. Wie Pfeile schwärmen diese aus, treffen der Pranken Nerv, sodass sich die furchtmaßenden Fingertänzer mit Schmierschritten auf Tintenflecken verkrampfen.

Der Feder Pflug Tintentränen
Alexandra Svenja Meyer ist Der Schnabel hinter Projekt & Poesieblog Schwarzer Flamingo und tritt bei Literarités und Poetry Slams auf, um poetische Performance zu nutzen und Menschen mit abstrakter, rästelhafter Poesie vertraut zu machen. Aufgrund ihrer dekonstruktivistischen und hermeneutischen Intentionen, welche sie hinter den rekursiv eingedeuteten Motiven auswachsender Pflanzen und formbehandeltem oder brechendem Glas einfasst, welche jene Motive sich im Ausfächern der Verständnisebenen eines Textes dynamisch verflechten, ist Alexandra auch als ‚Glasvasenpoetin‘ bekannt. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und der Passion für moderne Poesie ist Alexandra als Cannabis-Patientin und Aktivistin für eine Entstigmatisierung von medizinischem Cannabis und dessen Patient:innen aktiv als Cannabis-Expertin auf Twitter. Für ihr Engagement und die kritische Aufbereitung von Cannabis-Studien wurde sie als Rednerin bei Cannabis-Veranstaltungen eingeladen und ist darüber hinaus politisch aktiv. Ihrem poetischen Schaffen widmet sie, nach eigenen Aussagen, das oben erwähnte Pflanzenmotiv unter der Inspirationsfahne von Cannabis in der Kunst. Aufgrund ihrer Erkrankung sei die Pflanze eine starke Stütze, durch die sie konzentriert in die begrifflichen Spiegelwelten aus gläserner Schreiberei eintauchen könne und von dort aus den Halm bis zur Knospe ihrer Inspiration erklimmt.
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