Des Poeten Heimat

Die Große Frage sollte sich im Anblick grenzenloser Ferne, wie sie sich mir oben am Gipfelziel meiner Wanderung offenbarte, aus wolkenklaffendem Himmel stellen. Provokant reißt das weiße Maul sich auf, um meinen Zweifel und all die Aussichten, die ihn nährten, mit unbelebbarer Faszination zu überstrahlen; So viel Heimat mochte ich sehen und durchwandern, doch kann ich sie nicht kultivieren, denn die Sonne sah der Heimat Farbgewand immer schon vor mir. Und weit laufen meine Heimaten mit mir, doch selbst wenn die Sonne schwach an Macht verliert, kann ich sie nicht als Volk vereinen, denn unter dem Regenmund schwimmen sie fortlaufend auseinander.

Des Poeten Heimat Der Wanderer über dem Nebelmeer
Des Poeten Heimat Berge

Wenn jede Heimat nun wohl wild erblüht und ungebändigt mich nach Leidenschaft begleitet, wie nur kann ich als Wanderer mich in ihr niederlassen, wenn jede Rückkehr von unbekanntem Wildbewuchs berichtet. Eine Karte also musste her, auf der ich die Grenzenlosigkeit zwischen den Heimaten einzeichnete, ihre Wesen zunächst chaotisch verfließen lasse, damit ein festgeschlungenes Flussbett den Frieden zwischen ihnen ebnete. Wenn nun die Sonne hinter den Bergen sich kund gibt, sitzen meine Heimaten längst schon lauschend um mich herum. Brüllt der Regenzorn nieder, nährt sich der Fluss stark und bringt schnell der Heimaten Schiffe zurück. Egal aus welchem Winkel ich die Welt mir nun erheimate, weiß sie immer stets, welchen Weg sie zu mir nähme, selbst wenn sein Nabel sich bewegte.

Des Poeten Heimat Berge
Alexandra Svenja Meyer ist Der Schnabel hinter Projekt & Poesieblog Schwarzer Flamingo und tritt bei Literarités und Poetry Slams auf, um poetische Performance zu nutzen und Menschen mit abstrakter, rästelhafter Poesie vertraut zu machen. Aufgrund ihrer dekonstruktivistischen und hermeneutischen Intentionen, welche sie hinter den rekursiv eingedeuteten Motiven auswachsender Pflanzen und formbehandeltem oder brechendem Glas einfasst, welche jene Motive sich im Ausfächern der Verständnisebenen eines Textes dynamisch verflechten, ist Alexandra auch als ‚Glasvasenpoetin‘ bekannt. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und der Passion für moderne Poesie ist Alexandra als Cannabis-Patientin und Aktivistin für eine Entstigmatisierung von medizinischem Cannabis und dessen Patient:innen aktiv als Cannabis-Expertin auf Twitter. Für ihr Engagement und die kritische Aufbereitung von Cannabis-Studien wurde sie als Rednerin bei Cannabis-Veranstaltungen eingeladen und ist darüber hinaus politisch aktiv. Ihrem poetischen Schaffen widmet sie, nach eigenen Aussagen, das oben erwähnte Pflanzenmotiv unter der Inspirationsfahne von Cannabis in der Kunst. Aufgrund ihrer Erkrankung sei die Pflanze eine starke Stütze, durch die sie konzentriert in die begrifflichen Spiegelwelten aus gläserner Schreiberei eintauchen könne und von dort aus den Halm bis zur Knospe ihrer Inspiration erklimmt.
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